Das Café-Projekt

Sozialpsychiatrischer Dienst der Stadtmission Nürnberg

Das Café ist die zentrale Anlaufstelle für zum Teil langjährige Besucher/-innen des Sozialpsychiatrischen Dienstes und ermöglicht gleichzeitig neuen Interessierten einen leichten und angenehmen Einstieg.

Sozialpsychiatrischer Dienst der Stadtmission Nürnberg
Zum Beispiel: Frau S.

Frau S. (45) leidet seit vielen Jahren an Schizophrenie. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter. Lange Zeit war ihr Leben geprägt von Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken. Frau S. suchte Unterstützung im Julius-Schieder-Haus, dem Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadtmission Nürnberg in der Pirckheimerstraße 16.

Schnell wurde deutlich, dass Frau S. neben regelmäßigen Beratungsgesprächen dringend eine Struktur für ihren Tag brauchte – und eine Aufgabe, die außerhalb ihrer eigenen Familie lag. Denn zu Hause fiel ihr die Decke auf den Kopf. Dann kreisten die Gedanken: Schuldgefühle, ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter durch ihre Krankheit nicht gerecht zu werden, und Ängste nahmen überhand.

Frau S. wurde angeboten, im Café-Projekt mitzuarbeiten. An zwei Nachmittagen in der Woche übernahm sie nun gemeinsam mit einer Kollegin oder einem Kollegen – ebenfalls von seelischer Erkrankung Betroffene – den Service für das Café im Sozialpsychiatrischen Dienst. Sie kochte Kaffee, bediente, kassierte etc. Auch bei Bewirtungen anlässlich von Konzerten oder Tagungen arbeitete sie mit. Diese "nichtpsychiatrische Außenwelt" war für sie besonders interessant.

Die Tätigkeit im Café-Projekt entwickelte sich für Frau S. zu einer enormen Hilfestellung. Sie hatte nun eine Aufgabe außerhalb ihrer Familie, bei der sie Anerkennung und Rückmeldung erhielt. Ihre Woche hatte eine Struktur. Dank der Hilfestellungen durch die hauptamtlich Mitarbeitenden, z. B. das Besprechen von Konflikten in Teamsitzungen oder die Anpassung der Arbeitszeiten an die momentane psychische Verfassung, konnte Frau S. eine Kontinuität in ihrer Tätigkeit erreichen. Sie steigerte ihre Arbeitsleistung im Laufe der Zeit deutlich, krisenhafte Zeiten wurden geringer.

Schließlich traute sie sich selbst sogar zu, auf dem "freien Arbeitsmarkt" eine Stelle zu suchen. Seit etwa zwei Jahren hat sie eine private Putzstelle und sagt: "Ohne das Café-Projekt wäre ich nie so weit gekommen. Hier habe ich viel Selbstvertrauen gewonnen und gelernt, mit meinen Problemen besser umzugehen."

Das Café-Projekt: Zahlen, Daten und Kurzkonzept
Unser Café ist die zentrale Anlaufstelle für zum Teil langjährige Besucher/-innen des Sozialpsychiatrischen Dienstes und ermöglicht gleichzeitig neuen Interessierten einen leichten und angenehmen Einstieg.

Im Jahr 2005 war das Café 204 mal geöffnet. Die durchschnittliche Besucherzahl je Öffnungstag beträgt circa 26 Personen. Notwendig für die Café-Atmosphäre ist der Service, der von Menschen mit seelischer Erkrankung übernommen wird.

1.850 Arbeitsstunden, neun Klient/-innen arbeiten mit
2005 arbeiteten 8 bis 9 Klient/-innen im Café, davon haben seit Januar 2005 7 Klient/-innen den Status von ehrenamtlich Mitarbeitenden. Sie leisteten insgesamt circa 1.736 Arbeitsstunden. Bei dieser Beschäftigung werden Arbeits- und Teamfähigkeit trainiert, außerdem fördert die Anerkennung durch die Besucher/-innen die psychische Stabilität der Mitarbeitenden. Einzelnen gelingt durch diese arbeitstherapeutische Förderung der Sprung auf den 1. Arbeitsmarkt. Ein fester Bestandteil des Café-Projektes sind Bewirtungen bei Tagungen und Konzerten im Haus. In diesem Bereich wurden zusätzlich 120 Arbeitsstunden geleistet.

Eine hauptamtliche Mitarbeiterin leitet das Café-Projekt und ist kontinuierliche Ansprechpartnerin. 14-tägig finden Besprechungen zur Organisation und Begleitung statt. Die finanzielle Aufwandsentschädigung, bzw. der Zuverdienst – die Arbeitsstunde wird mit 2,60 Euro honoriert – ist ein wichtiges Mittel zur Motivation der Klient/-innen und ein Beitrag, ihre oft schwierige finanzielle Situation geringfügig zu verbessern.

10 Jahre Café – Spenden sei Dank
Das Café hat sich im 10. Jahr seines Bestehens als arbeitstherapeutisches Projekt fest etabliert.

Der Service und das erweiterte Angebot (einmal pro Woche warmes Essen) haben die Atmosphäre in der Begegnungsstätte wesentlich verbessert. Leider trägt sich das Projekt allein durch den Verkaufserlös finanziell nicht, so dass es auf Spendenmittel angewiesen ist.

Wir danken der Miteinander-Stiftung Nürnberg sehr herzlich für ihre großzügige Unterstützung in Höhe von 1.900,- Euro.

Frank Nie
Öffentlichkeitsreferent Stadtmission Nürnberg
Telefon 0911 3505 154
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Ausführliche Projektbeschreibung "Café-Projekt" (pdf)

Miteinander-Stiftung Nürnberg
Agnes Chrambach

Die Miteinander-Stiftung Nürnberg unterstützt nur Projekte in Nürnberg und keine Einzelpersonen.

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Telefon: 0911 6329848

Mit freundlicher Unterstützung von
COOLCAT creations, Nürnberg.