Sie sind mit Eifer bei der Sache, üben ihr schauspielerisches Talent, entwickeln Stücke, probenTexte, schlüpfen in Kostüme und damit in andere Rollen.

Die Angst vor dem Versagen spielt jedoch beim Theaterprojekt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Nürnberg keine Rolle. Schließlich geht es darum, den jungen Teilnehmern an den Workshops "die gestalterischen Freiräume als Potenzial erlebbar und damit für ihr Leben nutzbar zu machen", erläutert Sylvia Hatházy. Die Theaterregisseurin leitet das Theaterprojekt, das von der "Miteinander-Stiftung Nürnberg" gefördert wird.

Die Idee zu diesem Projekt hatte Karlheinz Hannweber, der lange Jahre als leitender Psychologe in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitete und jetzt ehrenamtlich dem "Aktionskreis Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche und ihre Familien" vorsitzt. "Gerade Theater bietet viele Möglichkeiten, das Selbstbewusstsein zu stärken, den Umgang miteinander zu entkrampfen, Spannungen zu lösen, lockerer und spontaner zu werden", meint Hannweber.

In Agnes Chrambach, die vor sechs Jahren die "Miteinander-Stiftung Nürnberg" ins Leben gerufen hatte, fand er eine Unterstützerin. Schließlich will die Stiftung Menschen helfen, die in Notlagen geraten sind. "Einer der Schwerpunkte ist die Unterstützung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher", betont Chrambach. Mit 4.000,- Euro im Jahr fördert die Stiftung insgesamt vier Jahre lang die Theaterworkshops.

Mit Sylvia Hatházy konnte im Herbst 2008 eine Regisseurin gewonnen werden, die in zahlreichen Projekten in ganz Deutschland professionell mit jungen und alten Laiendarstellern gearbeitet hat. In acht jeweils dreistündigen Sequenzen, die sich über einen Zeitraum von drei Monaten erstrecken, feilt sie zunächst mit den 15 Patienten, die zwischen sieben und 14 Jahre alt sind, an deren schauspielerischem Talent: "Es gibt weder richtig noch falsch", sondern viele Möglichkeiten, sich neu zu erleben, andere Seiten und Fähigkeiten zu entdecken und auszuprobieren." Die Improvisation steht dabei stets im Mittelpunkt.

Im Anschluss daran kommt dann ein Thema ins Spiel. Szenen und Figuren werden entweder erfunden oder aus vorhandenen Stücken entnommen. Für die Kinder und Jugendlichen ist es, so Hatházy, "immer eine wichtige Erfahrung, dass es für vieles, was sie umtreibt, eine Sprache gibt, Bilder, Figuren, Situationen, die jemand anderes auch erlebt, in eine Form gegossen und aufgeschrieben hat." In der Abschlussrunde werden schließlich die weiteren Schritte für die nächsten Sequenzen gemeinsam festgelegt.

"Begeistert hat mich der gesammelte Ernst der Kinder und ihre Bereitschaft sich einzulassen, drei Stunden zu proben und zu erfinden, ohne Pause“, berichtet die Regisseurin. Am Ende der Workshops steht dann eine kleine Aufführung und die Gewissheit, dass bei den Kindern und Jugendlichen, so Hatházy, "das Zutrauen in die eigene schöpferische Kraft gewachsen ist".

Autor: Bernd Siegler

Quelle: KlinikumZeitung Nürnberg, 1/2010